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Die Xbox One im Test

12/2013 · Es war ein sehr holpriger Start für Microsoft und die Xbox One: Nach starkem Protest aus der Community mussten Funktionen zusammengestrichen werden und schließlich der Xbox-Verantwortliche gehen. Ob sich ein Kauf der neuen Konsole trotzdem lohnt, zeigt der ausführliche Test auf eTest-Heimkino.de.

Die Geschichte der Xbox One ist noch jung, dennoch war sie öfter in den Schlagzeilen als jede andere Spielekonsole – in den meisten Fällen aus negativen Gründen. Waren es der neue Kinect-Sensor, der wie ein Staubsauger alle privaten Daten sammelt und sie zu Werbezwecken in den Microsoft-Datenbanken speichert, die fehlende Gebrauchtspiele-Unterstützung der Xbox One oder die zahlreichen Dienste, die vorerst nur in Amerika verfügbar sein werden – Hohn und Spott hagelte schon vor dem eigentlichen Launch der Konsole reichlich auf die Xbox One ein. Ihren Höhepunkt erreichten die Tiraden mit Microsofts Zurücktreten vom Online-Zwang und der Gebrauchtspielesperre sowie dem peinlichen Rücktritt von Don Mattrick, dem Verantwortlichen für die Xbox One im Hause Microsoft.
Angesichts dieser Vorgeschichte fällt die Wahl zwischen Playstation 4 und Xbox One vermeintlich leicht. Dass die Xbox One aber bei weitem nicht so schlecht ist, wie ihre Schlagzeilen suggerieren, zeigt der ausführliche Test auf eTest-Heimkino.de.

Bild Die Xbox One im Test

Das Design: Die Rückkehr der 90er
Das Erste, was meine Freundin zur neuen Xbox One sagte, war: "Warum ist die denn so viel größer als deine alte Xbox? Ich dachte das ist 'Next-Gen'?" Meine Freundin ist weit davon entfernt als Expertin für Spielekonsolen durchzugehen, aber mit diesen wenigen Worten traf sie den Nagel auf den Kopf: Für eine Next-Gen-Konsole sieht die Xbox One nicht sehr nach Next-Gen aus. Ihre Größe ist vergleichbar mit einem alten VHS-Videorecorder, das Design passt ebenfalls. Einziger Unterschied: Dort wo beim Videorekorder der Einschub für Kassetten liegt, schiebt man bei der Xbox One die Discs in die Konsole. 
Gerade im Vergleich mit der recht schlanken Playstation 4  fällt die Wuchtigkeit der Xbox One auf.  Da die Konsole bei den meisten Gamern aber sowieso nur im Regal steht, ist das Design eher zweitrangig.

Der Controller: Das Gefühl, etwas in der Hand zu haben
Die Controllerfrage gehörte für mich, als Mensch mit großen Händen, schon immer zu den Punkten, mit denen eine Konsole steht oder fällt. Der Controller war für mich immer einer der größten Pluspunkte der Xbox – egal ob bei der ersten Xbox, der Xbox 360 oder jetzt bei der Xbox One: Nimmt man den Controller auf, hat man das Gefühl etwas Großes in der Hand zu haben. Alle Knöpfe sind leicht zu erreichen und haben einen sehr angenehmen Druckpunkt.
Fast revolutionär ist die Idee der Microsoft-Entwickler, das Batterie-Fach in den Controller zu verfrachten, sodass keine Ausbuchtung mehr den Griff stört. Wirklich revolutionär ist allerdings der überarbeitete Vibrationseffekt des Bedienelements: So vibriert er nicht mehr als Ganzes, sondern in Teilen. Unter anderem sind kleine Vibrator-Einheiten in den Bumpern untergebracht, was eine ganz neue Steuererfahrung gibt. Beispielsweise wackelt der linke Bumper bei einer Vollbremsung in Forza 5 wie ein zitterndes Bremspedal oder in Battlefield 4 beim Abschießen der Waffe.
Große Änderungen gab es also vor allem im Inneren des Controllers. Äußerlich fällt beim ersten Einschalten auf, dass das Xbox-Logo nun Weiß statt Grün leuchtet, was doch ein wenig moderner und edler aussieht als bei der alten Konsole – aber das ist Geschmackssache.

Bild Die Xbox One im Test

Kinect: Kann man machen, muss man nicht

Eine der großen Streitfragen, mit der sich die Xbox One herumschlagen muss, ist Kinect. Für die neue Konsole hat Microsoft die Kamera komplett überarbeitet, sie erkennt nun Eingaben genauer und kann mit Sprachbefehlen deutlich besser umgehen als die alte Gestensteuerung.
Entgegen Microsofts ersten Statements, die Xbox One funktioniere nur mit angeschlossener Kinect-Kamera, was nach heftigen Protesten wieder revidiert wurde, funktioniert die Xbox One tatsächlich ohne angeschlossenes Kinect. Nutzt man die Konsole ohne Kinect, merkt man aber schnell, dass die Software der One um das Kinect-Feature gebaut wurde: Ohne Kinect-Erkennung muss man sich immer manuell anmelden, was etwas Zeit in Anspruch nimmt. Zusätzlich lassen sich diverse Multimedia-Befehle nur sehr umständlich per Controller ausführen – letztendlich muss man selbst die Entscheidung treffen, ob man nie schlafende Augen und Ohren in seinem Wohnzimmer haben möchte, um den Komfort einer leichteren Bedienung zu haben.

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Multimedia-Fähigkeiten: Mehr Schein als Sein – zumindest in Deutschland

"All in One" – das war einer der großen Werbeslogans Microsofts, die man an fast jeder Straßenecke lesen konnte. Die Idee ist sehr gut, die Umsetzung von Microsoft mindestens verbesserungswürdig. Zwar kann die Xbox One theoretisch als multimediales Zentrum im Wohnzimmer aufgebaut werden, allerdings braucht man zu viel Peripherie drumherum, als dass der Spruch "All in One" Wirklichkeit wird:

Die von Microsoft auf diversen Präsentationen gezeigten Dienste zur Übertragung von NFL-Spielen oder exklusive Filmpakete sind in Deutschland nicht verfügbar. Gleiches gilt für die hierzulande wohl deutlich beliebtere Sky-App, die die Fußball-Bundesliga auf die Konsole bringt. Wann die App für die Xbox One erscheint, steht offenbar noch nicht fest. Wunderbar funktioniert allerdings die Chat-Funktion im Spiel: So kann man während einer Partie FIFA mit dem Kumpel skypen und seine Wut über die Niederlage live und in Farbe miterleben – definitiv eine Verbesserung zum bisher üblichen Teamspeak per Headset.
"Alles in einem" ist die Xbox One bei weitem noch nicht. Viele Dinge werden sicherlich in der nächsten Zeit per Update nachgeliefert. Wer aber mit solchen Slogans wirbt, sollte diesen Anspruch auch halten können.

Die Technik: Solide Architektur für die Herausforderungen der nächsten Generation

Herzstück der Xbox One ist ein Oktacore-Prozessor, dessen Taktfrequenz kurz vor Produktionsstart noch auf 1,75 Gigahertz angehoben wurde. Der Prozessor basiert auf einer 64-Bit-Architektur, weshalb die Xbox One keine Xbox 360-Spiele abspielen kann. Unterstützt wird der Prozessor von einem 8 Gigabyte großen Arbeitsspeicher, von dem 3 Gigabyte für das Betriebssystem reserviert sind, weshalb für übrige Aktionen lediglich 5 Gigabyte Speicher verbleiben. Im Prozessorchip ist die Grafikeinheit bereits enthalten, AMD nannte seine neue Kreation "Jaguar". Außerdem mit an Bord sind eine fest verbaute 500 Gigabyte große Festplatte, USB 3.0-Ports und ein Blu-ray-Laufwerk.
Der Stromverbrauch der Konsole liegt bei rund 100 Watt, was nur knapp über den Verbrauchszahlen der alten Konsolen liegt. Im Vergleich zum Vorgänger Xbox 360 ist die One aber viermal leiser.
Technisch präsentiert sich die Xbox One in einem einwandfreien Zustand, das volle Potential wird sie allerdings erst in ein bis zwei Jahren abrufen können – möglicherweise mit einer Neuauflage mit etwas mehr Arbeitsspeicher.

Die Spiele: Ein bisschen rasen, ein bisschen ballern, ein bisschen kämpfen
Die Launch-Titel der nächsten Konsolengeneration waren für viele Konsoleros enttäuschend: Auf der Playstation konnte Killzone nicht voll überzeugen, tolle Starttitel wie Driveclub oder Watch Dogs wurden auf 2014 verschoben. Auf der Xbox One ist die Auswahl etwas größer: Es gibt das neue Forza Motorsport 5, das vor allem grafisch Maßstäbe setzen kann. Die Autos sehen deutlich realer aus als im Vorgänger; vor allem die Wettereffekte sind den Entwicklern von Turn10 gelungen. Jedoch machen das unnötige Bezahlsystem mit Gutscheinen und die sehr kleinen Gewinnbeträge nach dem Abschluss eines Rennens den Spielspaß zunichte. Insbesondere teure Autos wie der Formel 1-Wagen von Kimi Räikkönen werden so unerreichbar – oder zu einer teuren Angelegenheit für den Spieler. So kosten die Gutscheine für den Formel 1-Wagen rund 79 Euro, 20 Euro mehr als das Hauptspiel. Für ein Vollpreisspiel ist das eine Frechheit.



Das Ego-Shooter-Segment wird auf der Xbox One ausreichend bedient, mit Call of Duty: Ghosts und Battlefield 4 haben es die prominentesten Shooter auf Microsofts Konsole geschafft. Einen echten Next-Gen-Shooter nur für die Xbox One gibt es allerdings nicht.



Wer eher auf klassische Waffen als auf moderne Wummen steht, ist mit Ryse: Son of Rome und Assassin's Creed IV: Black Flag gut bedient. Ryse begeisterte auf der Vorstellung mit toller Grafik, enttäuscht nun allerdings mit langweiligem Gameplay und sehr, sehr kurzer Hauptstory. Assassin's Creed IV ist eins zu eins in der Current-Gen-Version übernommen wurden und macht auch auf der Xbox One richtig Spaß – wenn man das Spiel nicht schon auf einer alten Konsole gespielt hat.



Für alle Sportfans gibt es das leicht aufgehübschte FIFA 14, das sich nur wenig von der bereits erschienenen Version für PS3 und Xbox 360 unterscheidet.



Insgesamt gesehen ist die Spieleauswahl für die neue Konsole noch recht dünn. Zudem stören die recht großen Updates (z.B. Forza 5: 6 Gigabyte, Call of Duty: Ghosts: 1,6 Gigabyte), die vor dem Start eines Spiels heruntergeladen werden müssen. Geduldige Rennfahrer haben aber mit Forza 5 eine Menge Spaß, Shooter-Fans werden mit den beiden großen Franchises der Videospielwelt bedient und alle Adventure-Fans segeln an der Seite von Edward Kenway durch die Karibik. Im nächsten Jahr stehen noch Kracher wie ein neues Halo, Metal Gear Solid: Phantom Pain, Watch Dogs oder das interessante Quantum Break in den Startlöchern.

Xbox One: Eine solide Konsole mit viel Luft nach oben
Schaut man sich die Xbox One genauer an, gewinnt man den Eindruck einer nicht ganz fertigen Konsole:

Dennoch ist die Konsole keinesfalls schlecht. Alle Spiele werden ruckelfrei und flüssig abgespielt, das Wechseln zwischen TV, Spielfilm und Gaming funktioniert tadellos, das Handling des Controllers wurde merklich verbessert und auch die Kinect-Kamera hat einige sinnvolle Upgrades erhalten – der Preis von 499 Euro ist also gerechtfertigt. Microsoft wird in Zukunft aber noch einiges an Arbeit liefern müssen, um die Konsole zu einer perfekten Multimedia-Zentrale zu machen – und um auch für positive Schlagzeilen in der jungen Geschichte der Xbox One zu sorgen.

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