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Wer das neue MacBook braucht

03/2015 · Auf seiner März-Keynote zeigte Apple ein neues dünnes und leichtes MacBook mit USB C-Standard sowie hochauflösendem Display. Auch zwei Tage nach der Enthüllung stellt sich immer noch die Frage: Wer braucht so ein MacBook überhaupt?

Den Zusammenhang zwischen Angebot und Nachfrage erkannte der Ökonom Adam Smith schon im späten 18. Jahrhundert. In seinem "Der Wohlstand der Nationen" versuchte er zu erklären, wie Angebot und Nachfrage voneinander abhängen. Fast 250 Jahre später hat sich an dem Prinzip fast nichts geändert: Wo es Nachfrage gibt, gibt es auch ein Angebot. Apple ist einer der größten Profiteure dieser Technik auf diesem Planeten: Jüngst machte die Meldung die Runde, Apple habe im letzten Quartal 2014 einen Gewinn von 18 Milliarden Euro erwirtschaftet. In alltagstauglicheren Zahlen ausgedrückt: Pro Minute machte der Konzern aus Cupertino knapp 136.000 Euro Gewinn, pro Sekunde also rund 2264 Dollar. Einen großen Anteil am Rekordgewinn hatten zwar die neuen iPhones, doch auch die Macs verzeichneten zuletzt ein kleines Absatzplus - obwohl die Zahlen aller verkauften PCs weltweit rückläufig waren. Die Aussage: "Was Apple anfasst, wird zu Gold" ist also fast zum Dogma geworden. Ob dieser Lehrsatz auch für das enthüllte MacBook gilt, ist aber zu bezweifeln. Die Nachfrage nach solch einem Rechner dürfte gering sein.

Zu Gold gemacht hat Apple das MacBook bereits

In gewisser Weise erfüllt Apples MacBook das Gold-Dogma allerdings doch: Genau wie die Mobilgeräte iPhone und iPad gibt es das MacBook in den Farben Silber, Grau - und Gold. Auch bei den Abmessungen und beim Gewicht nähert sich Apple immer mehr den mobilen Geräten: Im Vergleich zum MacBook Air mit 11 Zoll-Display, dem bisher dünnsten und leichtesten Apple-Rechner, hat das neue MacBook deutlich abgespeckt. Es ist 0,4 Zentimeter dünner und 160 Gramm leichter als das kleinste MacBook Air-Modell. Möglich macht das der neue USB C-Port und der Mobilprozessor Intel Core M, der ohne Lüfter auskommt. Auch die übrige Technik unter der Alu-Hülle des Rechners kann sich sehen lassen: 8 Gigabyte Arbeitsspeicher, 256 Gigabyte SSD, schnelles ac-WLAN und das hochauflösende Display.

Bild Wer das neue MacBook braucht

Wer gehört zur Käufergruppe des neuen MacBooks?

Trotzdem stellt sich die Frage, welche Zielgruppe Apple mit dem Rechner im Blick hatte. Das neue MacBook ordnet sich genau zwischen MacBook Air und MacBook Pro ein, ohne sich für eine Richtung, professioneller PC oder Mobilrechner, zu entscheiden. Display, Arbeitsspeicher und SSD qualifizieren das MacBook für Bildbearbeitung und Videoschnitt, der Prozessor dürfte dem User aber einen Strich durch die Rechnung machen. Zwar leistet er bei kurzer Belastung dank Turbo Boost eine ordentliche Performance, bei längeren Berechnungen lässt die Performance des Prozessors aber merklich nach. Gerade beim Videoschnitt dürfte der Core M-Prozessor schnell an seine Grenzen stoßen.

Werden Fotografen mit dem MacBook glücklich?

Also ist das neue MacBook für Fotografen gebaut? Auch die dürften schnell Probleme bekommen,Bild Wer das neue MacBook braucht sofern sie nicht eine Kamera mit Drahtlos-Übertragung besitzen. Die Bilder einfach per Kartenleser auf das kleine Notebook zu übertragen ist beim MacBook nicht mehr möglich: Es hat gar keinen Kartenleser an Bord. Nicht einmal die SD-Kartenhubs kann man anschließen, da deren USB-Ports nicht mit dem neuen C-Standard kompatibel sind. Im schlimmsten Fall benötigt man also zwei Adapter: Ein USB C- zu USB 2.0- oder 3.0-Adapter sowie den SD-Hub - eine sehr umständliche und teure Prozedur.

Überzeugt es mit der verbesserten Tastatur?

Wer bleibt also? Die Office-User? Mit der verbesserten Tastatur und dem aufgerüsteten Touchpad sollten längere Texte schnell getippt sein. Das hochauflösende Display schont die Augen, die lange Laufzeit beschert dem MacBook eine tolle Mobilität. Im Hinblick auf den Preis von mindestens 1449 Euro dürfte das neue MacBook aber nur für die wenigsten Office-User die erste Wahl sein. Die bekommen mit dem 11-Zoll MacBook Air zwar kein hochauflösendes Display aber ein ähnlich leistungsstarkes Gerät - für 450 Euro weniger.

Bild Wer das neue MacBook braucht

Das neue MacBook ist fortschrittlich, vielleicht sogar etwas zu fortschrittlich

Das neue MacBook ist seiner Zeit voraus, keine Frage. Die USB C-Ports, das Vorhaben Apples, Kommunikation zwischen zwei Geräten nur noch drahtlos zu bewältigen, und die Entscheidung für die Mobilprozessoren - das MacBook gewährt einen Blick in die Zukunft der Notebooks. Das erinnert natürlich stark an die Einführung des iPhones, das 2007 ebenfalls die Zukunft der Mobiltelefone erahnen ließ. Damals bekam der User aber ein Gerät, was er ohne Einschränkung nutzen konnte.
Das neue MacBook stellt dem User zu viele Barrieren in den Weg, die er umständlich umgehen muss. Das MacBook ist ein Prototyp, ein Indikator, der Apple zeigen wird, welche der Features auch im MacBook Air oder im MacBook Pro Sinn machen. Am meisten braucht also Apple selbst das neue MacBook: Im Herbst dieses Jahres stellen die Amerikaner neue MacBooks vor, vielleicht sehen wir schon da, welche Features die Nachfrage des Markts aussortiert hat.

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