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Das Ende der Digitalkamera?

01/2014 · Das drohende Aussterben der Digitalkamera wurde in den letzten Jahren wiederholt in verschiedenen Medien aufgegriffen. Was steckt dahinter? Fakt ist: Kompaktkameras verkaufen sich seit 2010 sehr schlecht und Ende 2013 brachen die Verkäufe von Kameras mit austauschbarer Optik laut des Wall Street Journal um ca. 9,1% ein. Dass möglicherweise weniger Fotos gemacht werden, kann man von der Hand weisen: ein Blick ins Internet zeigt, dass nie so viel fotografiert wurde wie heute. Der Beweis findet sich in den Myriaden kleiner Blogs, Social-Media-Netzwerken, Online-Foto-Communities wie flickr und den vielen kleinen Online-Bildagenturen, auf denen auch Laien ihre Werke feilbieten.

Der Täter: das Smartphone

Hauptschuldig an den schrumpfenden Absatzzahlen kompakter Digitalkameras sind die Smartphones. Wer nur gelegentlich ein Erinnerungsfoto machen will, hatte früher eine kleine Digitalkamera am Handgelenk baumeln. Inzwischen machen die meisten Smartphones aber Fotos, die mit der Qualität durchschnittlicher 100-Euro-Kameras locker mithalten können, außerdem hat man sein Handy sowieso immer dabei. Folglich hat der Gelegenheitsknipser von früher kaum noch eine Digitalkamera dabei – wenn er denn überhaupt noch eine hat. Im Schnitt sind die meisten Konsumenten, die nicht zu den Hobbyfotografen zählen, zu einem Preis von maximal 140,- Euro für eine neue Digitalkamera bereit. Das bedeutet, dass die Mittelklasse-Kompaktkamera kurz vor dem Aussterben stehen könnte.
Für fortgeschrittene Fotografen hat diese Entwicklung möglicherweise Konsequenzen. Die kleineren Kameras haben die ungleich teurere Entwicklung der großen DSLRs und technischer Innovationen immer mitfinanziert. Es gibt daher bereits Stimmen, die eine starke Verteuerung der hochwertigen Kameras vorhersagen.

Einbrechende Wechseloptik-Kamera-Verkäufe: Wirtschaftskrise oder Marktsättigung?

Soviel zu den Kompaktkameras, was aber steckt hinter dem Einbruch bei den hochwertigen Kameras mit Wechseloptik, also den digitalen Spiegelreflex und den Systemkameras? Die Kamera-Hersteller – zumeist Aktienunternehmen und damit natürlich die letzten, die ein Problem zugeben würden – führen die abnehmenden Verkäufe auf die Wirtschaftskrise und den daraus resultierenden, lediglich temporären Verzicht auf Konsumgüter zurück.
Andere Stimmen sprechen hingegen von einem Mangel an Innovationen in den letzten kurzen Jahren. Während der Sprung bei Bildqualität und Ausstattung von den digitalen Spiegelreflexkameras von 2005 bis jetzt ein gewaltiger war, finden die Verbesserungen ca. der letzten zwei Jahre nur im Detail statt – also auf einem Niveau, dass nur noch sehr anspruchsvolle Laien und Profis interessiert. Dem Ottonormal-DSLR-Nutzer hingegen wird wenig Anreiz gegeben, auf ein Nachfolgemodell umzusteigen. Zwar werden in der letzten Zeit in den günstigeren DSLR-Klassen zunehmend Gadgets wie Wi-Fi-Fähigkeiten, spritzwassergeschützte Gehäuse oder Touchscreens angeboten, aber das allein reicht nicht als Grund aus, um von einer DSLR mit tadelloser Bildqualtät auf ein kaum besseres Nachfolgemodell umzusteigen. Mit anderen Worten: Möglicherweise ist der Markt gesättigt.
Wo diese Entwicklungen hinführen, bleibt abzuwarten. Die einen erwarten auf große Innovationen auf dem Kameramarkt, andere unken bereits, dass Spiegelreflex- und Systemkameras mit Wechseloptik zu einem Nischendasein verdammt seien.

Das große Fressen

Zum derzeitigen Zeitpunkt hat die Situation aber auch Vorteile, zumindest für fortgeschrittene Fotografen. Während die Auswahl an günstigen und Mittelklassen-Kompaktkameras bei allen Herstellern sichtlich schrumpft, wird das Sortiment an hochwertigeren Modellen immer größer, da die Hersteller hier noch die größten Chancen für Abnehmer sehen. Immer mehr Kompaktkameras mit sehr großen Sensoren und einer exquisiten Bildqualität sowie eine sehr große Auswahl ausgefeilter System- und DSLR-Kameras finden sich in immer größerer Zahl auf dem Markt. Wer also heute eine hochwertige Kamera sucht – egal, ob kompakt oder mit Wechseloptik – steht vor einer ungleich größeren Auswahl als noch vor zwei Jahren.
Eine Theorie zum Ablauf des Aussterbens der Dinosaurier ist, dass die Carnivoren nach dem fatalen Meteoriteneinschlag einige Jahre lang ein prächtiges Leben hatten. Die Herbivoren waren vom Nahrungsmangel so geschwächt, dass sie leichte Beute waren oder massenweise als Aas herumlagen. Natürlich war diese Party nur von kurzer Dauer: nach dem Verschwinden der Pflanzenfresser hatten auch die Fleischfresser keine Chance mehr.
Hoffen wir, dass der anspruchsvollen und gleichzeitig bezahlbaren Fotografie nicht das gleiche Schicksal droht.

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