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Belichtungsmessung: Was es mit der Integral-, Mehrfeld- und Spotmessung auf sich hat

08/2009 · Fotografie hat etwas mit dem Einfangen von Licht zu tun, logisch. Dass darum unter anderem die Stärke des Lichts gemessen werden muss, kann jeder nachzuvollziehen. Dank Automatik oder – neuerdings – intelligenter Automatik macht die Kamera das alles alleine. Trotzdem kann man die Art der Belichtungsmessung in den meisten Kameras manuell einstellen. Denn die Automatik mag zwar meist gute Ergebnisse liefern, kommt aber doch ab und zu an ihre Grenzen. In dem Fall kann man mit der manuellen Belichtung noch jene Fotos machen, bei der die Vollautomatik einem einen Strich durch die Rechnung machen würde.

Fotografie hat etwas mit dem Einfangen von Licht zu tun, logisch. Dass darum unter anderem die Stärke des Lichts gemessen werden muss, kann jeder nachzuvollziehen. Dank Automatik oder – neuerdings – intelligenter Automatik macht die Kamera das alles alleine. Trotzdem kann man die Art der Belichtungsmessung in den meisten Kameras manuell einstellen. Denn die Automatik mag zwar meist gute Ergebnisse liefern, kommt aber doch ab und zu an ihre Grenzen. In dem Fall kann man mit der manuellen Belichtung noch jene Fotos machen, bei der die Vollautomatik einem einen Strich durch die Rechnung machen würde.
Zugegeben, Begriffe wie "Mehrfeld", "Spot", "mittenbetont" oder "Integral" sind nicht so recht selbsterklärend. Außerdem zeigen Bedienungsanleitungen häufig nur, wie man sie einstellt, aber nicht, wofür sie gut sind. Dabei kann man mit ein wenig Hintergrundwissen das Ergebnis stark beeinflussen, anstatt sich darüber zu ärgern, dass die Kamera nicht die Bilder macht, die man haben möchte.


Was macht die Belichtungsmessung?

Ziel der Belichtungsmessung ist es, die Unterschiede zwischen hellen und dunklen Bildpartien ideal abzubilden.
Das erste Problem dabei ist, dass das menschliche Auge ein viel größeres Hell-Dunkel-Spektrum (aka "Dynamikbereich") erfassen kann als jede Kamera. Oft kommt es also vor, dass zum Beispiel die schattigen Bereiche auf einem Foto gut belichtet sind, während der Himmel und die sonnenbestrahlten Bereiche weiß erscheinen. Oder aber Himmel und sonnige Zonen sind korrekt abgebildet, die schattigen Bereiche versacken jedoch in tiefem Schwarz. Das können ja an sich noch schöne Fotos sein, aber manchmal liegt das von uns als wichtig empfundene Motiv genau in dem Bereich, der nicht korrekt belichtet wurde.


Bild Belichtungsmessung: Was es mit der Integral-, Mehrfeld- und Spotmessung auf sich hat

Ein Beispiel für unterschiedliche Prioritäten bei der Motivwahl. Auf dem linken Bild ist der Hafen besser zu erkennen, während der Himmel etwas öde wirkt. Auf dem rechten Bild ist der Hafen zwar fast in Schwarz abgesoffen, aber der Himmel wirkt viel dramatischer. (© Janina Matthiessen)



Insgesamt zu dunkle oder zu helle Bilder sind auch keine Seltenheit, weil die Kamera einfach nicht zu erkennen scheint, worauf es ankommt.
Ein weiteres typisches Problem sind Konzert- oder Lagerfeuerfotos: Da werden die Personen nahe den Lichtquellen (Scheinwerfer oder Flammen) oft verwackelt und viel zu hell abgebildet. Die Kamera belichtet in solchen Fällen zu lang, weil die Belichtungsmessung denkt, man möchte die ganze Umgebung auf dem Bild sehen können. Dass es einem nur um ein paar scharfe Bilder von den Musikern im Spotlicht oder den von den Flammen angestrahlten Gesichtern geht (und der Hintergrund gerne im Schwarz verschwinden dürfte), kann die Kamera nicht ahnen.
Die Automatik setzt also möglicherweise nicht die Prioritäten, die der Fotograf hat. Um dem entgegenzuwirken, hilft es, sich ein wenig mit den verschiedenen Arten der Belichtungsmessung auszukennen.

Ein bisschen Physik...

Die Belichtungsmessung funktioniert so: Kompaktkameras messen das Licht, dass vom Motiv reflektiert wird (das nennt sich Objektmessung). Um etwas zu messen und in Zahlen anzugeben, braucht man einen Maßstab. Was ist also die Messlatte bei Helligkeit? Ganz leicht: Schwarz ist 0%, Weiß ist 100%. Reines Schwarz reflektiert weniger Licht als reines Weiß. Alles dazwischen sind Graustufen. Grau meint hier übrigens nicht zwingend Grau, es geht dabei nur um den Helligkeitsgrad und nicht um die Farbe. Es kann auch ein Rot oder Grün in der gleichen Helligkeit gemeint sein.

...und wieder zum praktischen Teil

Es gibt drei typische Arten der Belichtungsmessung, die in fast jeder Kamera zu finden sind. Die Integralmessung, die Mehrfeldmessung und die Spotmessung. Die folgende Darstellung zeigt, wie stark die unterschiedlichen Bereiche des Bildes bei der Belichtung gewichtet werden.

Bild Belichtungsmessung: Was es mit der Integral-, Mehrfeld- und Spotmessung auf sich hat

Links: mittenbetonte Integralmessung, Mitte: Mehrfeldmessung, rechts: Spotmessung. Je dunkler der Bereich, desto stärker wird er bei der Belichtung berücksichtigt. (© Janina Matthiessen)

Integralmessung
Bei der Integralmessung wird der ganze Bildbereich gemessen und die durchschnittliche Helligkeit ermittelt.
Vorteil: Die Integralmessung funktioniert in den meisten Situationen tatsächlich sehr gut. Man bekommt die größten Teile des gesamten Bildausschnitts korrekt belichtet auf das Foto, was zum Beispiel bei Landschaftsaufnahmen hilfreich ist. Nachteil: Es wird kein Schwerpunkt gesetzt, alle Bildteile werden gleich wichtig behandelt. Da kann das vom Fotografen anvisierte Motiv schon mal untergehen, weil es dunkler oder heller ist (sprich: nicht so viel oder viel mehr Licht reflektiert) als der Durchschnitt, der sich ansonsten im Bildausschnitt tummelt.
Außerdem hat die Integralmessung eine klassische Schwäche: Motive, die lediglich aus sehr hellen oder sehr dunklen Bereichen bestehen, werden oft falsch belichtet. Die klassischen Beispiele sind das Foto vom weißen Hasen im Schnee, auf dem plötzlich alles Grau statt Weiß ist, und die schwarze Katze vor dunklem Hintergrund, die zu hell abgebildet wird. Der Grund hierfür ist schnell gefunden. Die arme Kamera kann ja nicht wissen, ob sie ein weißes Motiv im schwachen Licht oder ein schwarzes Motiv im starken Licht vor sich hat – in beiden Fällen wäre die gemessene Helligkeit gleich. Da kann man schon mal daneben tippen.
Bei den meisten Kameras wurde die Integralmessung durch die mittenbetone Integralmessung ersetzt. Dabei werden die Randzonen etwas weniger in die Berechnung einbezogen als der mittlere Bereich – in der Annahme, dass niemand sein Hauptmotiv ganz weit an den Rand setzt.

Bild Belichtungsmessung: Was es mit der Integral-, Mehrfeld- und Spotmessung auf sich hat

Teddybären sind zwar manchmal würdevoll verdreckt, dieser ist aber tatsächlich schneeweiß. Das Foto, das mit der Integralmessung (links) gemacht wurde, zeigt eine leichte Unterbelichtung, wodurch das Weiß leicht ins Gräuliche verläuft. Die Spotmessung (rechts) bewältigte dieses Motiv besser. (© Janina Matthiessen)


Mehrfeldmessung
Die Mehrfeldmessung, auch Matrixmessung genannt, greift auf mehrere Messfelder (die Anzahl variiert je nach Kameratyp stark) zurück, um die Helligkeit verschiedener Teile des Motivs zu analysieren und daraus den Durchschnittswert zu ermitteln. Wie? Das kommt Ihnen bekannt vor? Kein Wunder, denn das klingt erst einmal genauso wie die Definition zur Integralmessung. Der Unterschied ist, dass die Mehrfeldmessung daraus zwar auch einen Durchschnitt errechnet, aber die Daten bei dem Versuch, die jeweilige Szene korrekt zu belichten, viel stärker interpretiert und weniger direkt umsetzt als die Integralmessung. Das Ergebnis der Mehrfeldmessung ist in den meisten Fällen fast identisch mit dem der Integralmessung. Das Problem ist folgendes: Die Ergebnisse der Mehrfeldmessung sind durch die kamerainterne Interpretation der Daten manchmal nicht vorherzusehen und - andersherum - im Falle einer falschen Belichtung ist schwerer nachzuvollziehen, wo der Fehler liegt.
Viele intelligente Automatiken, die aus den Motivprogrammen das richtige für den Fotografen auswählen, arbeiten mit der Mehrfeldmessung. Die Lichtverteilung des gemessenen Motivs wird mit verschiedenen gespeicherten, "typischen" Lichtverteilungssituationen verglichen. Ein Sonnenuntergang z.B. ist unten dunkler als oben und hat mittig einen sehr hellen Punkt. Eine Gegenlichtsituation erkennt die Automatik an einem dunklen, relativ zentralen Motiv und einem hellen Hintergrund.

Spotmessung
Bei der Spotmessung (auch Selektivmessung genannt) berücksichtigt die Belichtungsmessung nur einen kleinen Teil des Bildes, meistens genau in der Mitte des Bildausschnitts. Das stellt sicher, dass das Motiv punktgenau und richtig gemessen wird, während alle anderen Teile des Fotos irrelevant werden. Die Spotmessung setzt also da an, wo Integral- und Mehrfeldmessung nicht mitspielen: Der Fotograf kann einen Punkt festsetzen, auf dem die Belichtungspriorität liegt.
Wenn das Motiv nur in der Mitte des Bildausschnitts gemessen werden kann, kann man den Bildausschnitt nicht mehr frei bestimmen. Der ist aber wichtig für den Bildaufbau – wer setzt sein Motiv schon gerne genau in die Mitte, das ist ja langweilig. Aus diesem Grund bieten einige Kameras die Möglichkeit, den gemessenen Spot-Belichtungswert zu speichern. Wenn Blende und Zeit der Kamera manuell eingestellt werden können, kann man auch nach der Spotmessung die gemessenen Werte manuell eingeben und dann den Bildausschnitt so wählen, wie man es möchte.

Bild Belichtungsmessung: Was es mit der Integral-, Mehrfeld- und Spotmessung auf sich hat

Bei dem linken Bild wurde der Hintergrund durch die Integral- bzw. Mehrfeldmessung mit in die Berechnung einbezogen. Die Beeren in der Mitte sind viel dunkler als die meisten anderen Bereiche des Bildes, also werden sie zu wenig belichtet. Das rechte Bild (mit Spotmessung) hat nur den zentralen Bereich für die Messung des Lichts verwendet und die Beeren sind besser zu sehen. Auch die Blätter oben rechts im Bild heben sich besser ab. (© Janina Matthiessen)



Neben diesen Messmethoden bieten die meisten Kameras eine Vereinfachung bei der Korrektur der Belichtung: Die Belichtungskorrektur. Damit kann man einfach das Foto ein wenig heller oder ein wenig dunkler machen, indem man den Lichtwert (EV) höher (= heller) oder tiefer (= dunkler) einstellt.
Wenn man zum Beispiel die Integralmessung dabei erwischt, den weißen Teddybären zu dunkel abzubilden, kann man so die Helligkeit etwas verstärken. Anders herum kann man versuchen, das zu lange belichtete Konzertfoto besser hinzubekommen, indem man der Belichtungskorrektur sagt, das Bild etwas dunkler zu machen, wodurch auch die Belichtungszeit meist kürzer wird.

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